Donnerstag, 14. April 2016

Auftanken? Wann denn bitte?

Neulich habe ich mich mit einer Freundin die auch Mehrfach-Mama ist darüber unterhalten, wie wenig Zeit eigentlich so bleibt um die Akkus mal etwas aufzuladen. Irgendwie ist es deprimierend wenig....

Mein Alltag ist voll bis zum Anschlag. Morgens werde ich meistens zwischen fünf und halb sechs von dem Kleinsten geweckt, der dann noch im Halbschlaf ist und nach einer Runde kuscheln meistens wieder schläft. Um sechs klingelt der Wecker für meinen Mann, 6:15 Uhr muss die Große aufstehen. Ich ziehe mich an und kann mit etwas Glück halbwegs in Ruhe wach werden, einen Latte Macchiato trinken und ein paar Worte mit meinem Mann wechseln. Der verlässt das Haus um sieben und ist - sofern er nicht länger arbeiten muss und die Bahn keine Verspätung hat, um sechs zurück. Ab sieben wecke ich auch die restlichen Kinder und es folgt das übliche Morgenprogramm - ihr kennt das ja. Drei Mädels möchten frisiert werden, Schulbrot, Kakaogeld...
Sind alle Schulkinder los bringe ich Clara zu Fuß zum Kindergarten. Dann ist der Haushalt dran, im Moment kommt dann als erstes die Wäsche auf die Leine, die ich schon um kurz nach sechs angestellt habe. Mittagessen vorbereiten, Clara um zwölf abholen, weiter kochen, Mittagessen.
Mittagspause ist hier inzwischen ein Fremdwort, denn drei Schulkinder kommen zu unterschiedlichen Zeiten zurück, wollen erzählen, essen, und auch mal Hilfe oder moralische Unterstützung bei den Hausaufgaben.
Nachmittags geht es weiter mit Garten, Haushalt, mitunter auch mit Terminen. Arzttermine, Therapien.... Dann das Abendessen, aufräumen, die drei Kleinen ins Bett bringen.... zwei- bis dreimal pro Woche bin ich auch dabei alleine, denn mein Mann hat Termine oder ist mit größeren Kindern beim Training.
Wenn ich viel Glück habe, sitze ich um acht auf dem Sofa, wenn ich Pech habe wird es auch schonmal nach neun. Oft bin ich dann so platt, dass ich es nicht mehr schaffe etwas zu basteln, zu schreiben oder auch nur zu lesen, vor allem wenn wir mal wieder sehr unruhige Nächte hatten, was leider relativ oft der Fall ist.

Ihr kennt das sicher so ähnlich, aber Jammern hilft nicht wirklich! Wie kann man denn bei so einem stressigen Alltag dafür sorgen, als Mutter nicht völlig auf dem Zahnfleisch zu gehen?

Die schlechte Nachricht: Manchmal kann man das nicht. Manchmal kommt alles blöd zusammen und man hat eine sehr anstrengende Zeit, die aber hoffentlich nicht zu lange dauert.

Die gute Nachricht: Oft kann man einiges tun um sich im Alltagstrubel nicht ganz zu verlieren?
Der Nummer 1 Vorschlag ist in der Regel: Ausschlafen und Kinderfrei! Wenn man das organisieren kann ist das auch ein tolles und todsicheres Rezept! Aber es lässt sich einfach nicht immer realisieren und seien wir ehrlich: Sind alle Kinder zwei Stunden aus dem Haus, was macht die brave Mutter? Putzen! Und dabei die Ruhe genießen!

Was ich also in meinem Alltag mache, um aufzutanken und nicht am Limit zu laufen:

Typsache: Intro- oder Extrovertiert?
Vor einiger Zeit las ich, dass der eigentliche Unterschied zwischen Introvertierten und Extrovertierten darin läge, dass Extrovertierte Menschen im Kontakt mit anderen Menschen Energie aufladen, während introvertierte Menschen dabei Energie verlieren und diese zurückholen, wenn sie alleine sind.
Ich bin introvertiert, was für mich heißt, dass ich versuche meine Woche nicht zu voll zu packen und auch bewusst Zeiten zu haben, an denen wir als Familie alleine sind.

Kurze Pausen im Tagesablauf:
Von meinem morgendlichen Latte Macchiato habe ich ja schon geschrieben. Zwischen halb zehn und zehn gönne ich mir eine weitere kleine Kaffee-Pause. Dann mache ich mein Bibelstudium und lese auch mal ein wenig. Raphael spielt in der Zeit um mich herum. Je besser er sich beschäftigt, desto erholsamer ist diese kurze Auszeit für mich.
Auch nachmittags versuche ich so eine Pause einzubauen, oft mit den Kindern zusammen. Wir setzen uns dann mit Kaffee, Tee, Kakao und Keksen zusammen.
Abends, nachdem die Kinder im Bett sind versuche ich, nur das allernotwendigste an Hausarbeit zu machen. Vielleicht räume ich noch die Spülmaschine aus, aber Bügeln usw. vermeide ich dann - zum einen ist es irgendwann genug, zum anderen sind die Großen abends jetzt länger wach und haben oft noch Gesprächsbedarf. Aber dabei sitze ich dann auf dem Sofa und manchmal gibt es ja sogar nettes Fernsehprogramm....

"Do more of what makes you happy!"
Diesen Spruch habe ich neulich wieder gehört und er kommt mir seitdem immer wieder in den Sinn. "Tue mehr von dem, was dich glücklich macht" - natürlich kann das nicht heißen, dass ich nur noch mache, was mir gerade Spaß macht. Aber wenn ich in meinen Alltag immer wieder Dinge einbaue, die mir wirklich Freude bereiten lädt das meine Reserven auf wie kaum etwas anderes. Was das genau sein kann, ist für jeden anders. Für mich ist es intensive Zeit mit meinen Kindern,  Basteln, BAJ, Dekorieren, im Garten werkeln (kein Unkraut zupfen - grins!) und auch Lesen. Für andere ist es vielleicht Joggen gehen, Musik hören....
Wenn ich solche Dinge in meinem Alltag zulasse, sind sie echte Highlights. Sie verschönern nicht nur meinen Tag sondern erleichtern auch die Last der täglichen, nicht so schönen Pflichten.

Sonntag halten
An diesem Punkt muss ich echt arbeiten. Es ist nicht so, dass ich sonntags den Rasen mähe oder den Großputz veranstalte. Aber neben den vielen kleinen Dingen und täglichen Routinen die in einem großen Haushalt nunmal jeden Tag sein müssen bin ich in letzter Zeit sehr versucht, auch an Sonntagen möglichst viel von meiner To-Do-Liste abzuarbeiten. Das ist grundsätzlich vielleicht nicht schlimm, aber Gott hat sich schon etwas dabei gedacht, als er einen Ruhetag in der Woche schuf. Ich muss wieder lernen, dass ich mich am Sonntag auch tatsächlich mal hinsetzen und zur Ruhe kommen darf.

Im Augenblick sein
Im letzten Jahr war ich ja mit den drei Kleinen zwei Wochen lang in der Sprach-Reha. Diese Zeit war einerseits stressig, denn für mich als sehr introvertierter Mensch ist es Stress pur mit fünf fremden Eltern und Kindern auf engem Raum zu leben. Außerdem hatte ich ja drei Kinder zu betreuen, Raphael war keine acht Monate alt.
Trotzdem kam ich erholt wie selten und innerlich sehr ruhig zurück.
Das lag zum einen sicherlich daran, dass die meisten alltäglichen Pflichten für mich wegfielen. Ich musste nicht kochen, nicht wirklich putzen, nur wenig aufräumen und Wäsche waschen. Dadurch gab es viel freie Zeit und auch einen freien Kopf. Wir waren viel draußen, auf dem Spielplatz, im Wald. Und ich konnte auch ganz da sein. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, weil zuhause noch die Bügelwäsche wartete, oder ein Kinderzimmer aufgeräumt werden musste. Ich war einfach mit den Kindern auf dem Spielplatz und war ganz da. Erst dort ist mir klar geworden, dass ich dies in den letzten Jahren verlernt hatte. Und seitdem versuche ich immer wieder, voll im Augenblick zu sein, und nicht schon gedanklich beim Abendessen, bei der To-do-Liste oder ähnlichem.
Mir tut das sehr gut, selbst wenn es nicht immer voll gelingt. Ich bin ruhiger und kann gelassener mit den täglichen Anforderungen umgehen.
Und der letzte Punkt auf meiner Liste gehört dazu:

Dankbar sein, und das Gute sehen.
Ich sehe schnell vor lauter Problemen und Sorgen das Gute nicht mehr. Bewusst und dankbar das Gute suchen - so lade ich meine Akkus auf, auch in anstrengenden Zeiten.

Kommentare:

Naemi Neumann hat gesagt…

Hallo liebe Stefanie, ich habe immer Grossen Respekt vor Großfamilienmamas!!!!! Ich wünsche dir Kraft und immer wieder viele kleine Momente zum Auftanken! Bin gespannt was sich bei uns verändert, von zwei auf drei Kinder, wobei die beiden ja schon „groß“ sind mit 8 und 9 Jahren. Sei gesegnet
Liebe Grüße Naemi

Andrea hat gesagt…

Unser Gespräch war mir da schon sehr hilfreich und ansonsten kann ich da bei dir unterschreiben. So ist es einfach. Pausen einbauen, wo sie einbaubar sind und im hier und jetzt sein. Das gelingt aber alles nicht immer gleich gut und man muss echt achtsam mit sich sein.

Viele Grüße
Andrea

By Fu hat gesagt…

Danke, dein Blogeintrag kommt bei mir genau richtig.
Ich mit "nur" dreien verliere mich gerade total in meinem Alltag und habe das Gefühl vor lauter Arbeit und Mutter sein, mich selbst total zu verlieren.
Atmen und mal etwas für mich einzubauen.
Danke
Janina

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