Dienstag, 3. Juni 2014

Blogg dein Buch - "Die Madonna von Notre Dame"

Es ist eine Weile her, dass ich für "Blogg dein Buch" eine Buchrezension geschrieben habe. Irgendwie war einfach nicht das Richtige für mich nicht dabei. Als ich neulich mal wieder dort durchstöberte fiel mir direkt "Die Madonna von Notre Dame" von Alexis Ragougneau aus dem List-Verlag/Ullstein Buchverlag ins Auge.
Bestellen könnt ihr es hier.
Die Madonna von Notre-Dame - Alexis Ragougneau
Hier die Inhaltsangabe auf der Rückseite:
Notre-Dame an einem Sommermorgen. Die Messe hat kaum begonnen, als eine ganz in Weiß gekleidete junge Frau leblos zu Boden sinkt. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, doch Pater Kern lässt der Fall keine Ruhe: Wer ist der Unbekannte, den der Clochard Kristof in der Mordnacht beobachtet hat? Mit der Staatsanwältin Claire Kauffmann macht Pater Kern sich auf die Suche nach der Wahrheit – und kommt in den Gewölben von Notre-Dame einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur …

Das klang nach nach einem potenziellen Lieblingskrimi - ich bin ja ein Fan von "Detektivgeschichten" mit einem interessanten Ermittler, erst Recht, wenn sie auch noch an interessanten Orten spielen. Als ich dann tatsächlich ausgewählt wurde und das Buch zugeschickt bekam, habe ich mich sehr gefreut und auch direkt angefangen zu lesen.

Das Buch beginnt wie ich erwartet habe: Einige Nebenfiguren werden eingeführt, das Opfer wird gefunden, der Detektiv erscheint.
Aber ich finde, dass dieser Roman relativ schnell "ungewöhnlich" wurde. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, denn ich meine das nicht wertend - auch wenn das Ende durchaus "typisch" ist, so ist der Weg dorthin deutlich anders als erwartet.
Die Hauptfigur, Pater Kern, ist nur ansatzweise mit Pater Brown vergleichbar (ein Vergleich der naheliegt und den wohl jeder Krimifan mehr oder weniger bewusst anstellen wird). Durch eine ungewöhnliche Krankheit, die ihn seit der Kindheit quält, ist er nur 1,48 m groß. Genauso wie die Krankheit quält ihn der Gedanke an den Tod seines Bruders, der im Gefängnis gestorben ist (viel mehr erfahren wir hier aber nicht). Er besucht regelmäßig Gefangene und der verurteilte Mörder Djibril, der im Gefängnis Jura studiert, gehört zu seinen wichtigsten Gesprächspartner in diesem Fall (noch eine Parallele zu Pater Brown).
Mit der Staatsanwältin hat er, anders als die Inhaltsangabe vermuten lässt, nicht wirklich so viel zu tun. Beide geraten im Laufe des Falles auf Abwegen - wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise, und finden darin am Ende eine Gemeinsamkeit. Für beide geht es um den Unterschied zwischen dem, was legal, und dem, was moralisch ist.
Zum Schluss wird sowohl Pater Kern als auch dem Leser klar, dass man nicht vorschnell urteilen und Menschen zuhören sollte...

Mein Fazit:
"Die Madonna von Notre Dame" ist gut und schnell zu lesen, hat aber stellenweise überraschenden Tiefgang. An anderen Stellen werden aber auch gerne Klischees bedient - insbesondere bei den Polizisten.
Besonderen Spürsinn konnte ich weder bei Pater Kern, noch bei der Staatsanwältin entdecken - Pater Kern verdankt es mehr seinen guten Beziehungen als seinem Scharfsinn, dass er der Lösung des Falles näher kommt (und er stellt sich zum Schluss nicht wirklich schlau an...). Es bleibt noch einiges offen, einiges muss noch weitererzählt werden, so dass man auf die Fortsetzung gespannt sein darf.
In meinen Augen ist der Roman eine schöne Lektüre, aber es fehlt ein wenig Spannung und ein wenig detektivisches Talent - daher vergebe ich drei Sterne.
Eine eventuelle Fortsetzung würde ich sicher lesen.

1 Kommentar:

hannahk22 hat gesagt…

"Fan von Detektivgeschichten mit interessanten Ermittlern" - kennst du Komissar Dupin bzw. eben die Reihe von Jean-Luc Bannalec? Falls nicht: Den ersten Roman, "Bretonische Verhältnisse" habe ich gerade erst gelesen und er gefiel mir sehr, sehr gut. Der Ermittler ist in dem Fall zwar ein "klassischer Kommisar", aber mit doch recht merkwürdigen Angewohnheiten und Eigenheiten, ein wenig schrullig, aber sehr scharfsinnig.
Außerdem ist die Landschaft so wunderschön beschrieben, dass man am liebsten sofort in die Bretagne aufbrechen würde. Leseempfehlung ;-)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...