Freitag, 4. Januar 2013

Schaust du wirklich hin - oder vorbei?

Diesen Text fand ich vorgestern in meinem Adventskalender von "Andere Zeiten". Er hat mich sehr nachdenklich gemacht und dafür gesorgt, dass ich doch einen guten Vorsatz gefasst habe:

"An einer U-Bahn-Haltestelle in Washington DC steht an einem kalten Januarmorgen 2007 ein Mann mit einer Violine. Er spielt Bach, auch Schubert.
Während dieser Zeit kommen im morgendlichen Berufsverkehr Hunderte von Menschen an ihm vorbei. Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt seine Schritt für ein paar Sekunden. Aber er unterbricht seinen Weg nicht. Kurz darauf wirft eine Frau den ersten Dollar in den Hut des Musikers, aber auch sie bleibt nicht stehen.
Ein junger Mann hält kurz inne, um zuzuhören. Aber ein Blick auf seine Uhr treibt ihn an, weiterzugehen. Dann nähert sich ein etwas dreijähriger Junge. Er möchte stehen bleiben, aber seine Mutter zieht ihn an ihre Hand weiter. Das Kind schaut im Gehen zurück, will der Musik weiter zuhören. Die Mutter treibt es an.
Wie dieser Junge verhalten sich einige Kinder, aber ausnahmslos drängen ihre Eltern sie zur Eile.
Der Geiger spielt, ohne abzusetzen. Insgesamt sechs Menschen bleiben vor ihm stehen und hören ihm für kurze Zeit zu. Vielleicht 20 Vorübergehende werfen ihm eine Münze in den Hut.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde beendet der Geiger sein Konzert. Es wird still. Aber niemand nimmt davon Notiz, niemand applaudiert. 32 Dollar sind zusammengekommen.

Der Violinist war Joshua Bell, einer der bestern Musiker der Welt. Er speilte unter anderem eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die jemals geschrieben wurden: die "Chaconne in d-Moll" von Johann Sebastian Bach. Die Geige, die er dafür verwendete, war 3,5 Millionen Dollar wert.
Zwei Tage davor hatte Joshua Bell vor einem ausverkauften Haus in Boston das gleiche Konzert gegeben. Die Karten für dieses Ereignis kosteten durchschnittlich 100 Dollar.
Sein Auftritt in der U-Bahn-Station war ein Experiment. Die Zeitung "Washington Post" hatte es in Auftrag gegeben. Die Redaktion interessierte die Frage, ob Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld wahrnehmen. Ob wir die Besonderheit einer Situation in einem unerwarteten Kontext erkennen. Und ob wir uns in unserem routinierten Tagesablauf vom Augenblick berühren lassen."

Wie oft übersehen wir Schönheit in unserem Alltag, hetzen vorbei ohne hinzuschauen? Das nehme ich mir vor, ganz bewusst hinzuschauen und Schönes zu sehen!

Ein wunderschönes Wochenende wünscht euch

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

So eine schöne Geschichte, die hat mich in diesem Adventskalender am meisten beeindruckt bisher. Die Heutige ist allerdings auch sehr schön.

Liebe Grüße
Andrea

Turbulentes Leben in einer Großfamilie mit Besonderheiten hat gesagt…

Sehr schön.
Den Blick für das Besondere gerade im Alltag, das ist zur Zeit unser Leben und das macht es so besonders.

Turbulentes Leben in einer Großfamilie mit Besonderheiten hat gesagt…

Sehr schön.
Den Blick für das Besondere gerade im Alltag, das ist zur Zeit unser Leben und das macht es so besonders.

Huppicke hat gesagt…

Ich kannte diese Geschichte bereits. Habe davon in einer Reportage über Joshua Bell gehört.

Ich glaube, um Schönheit wahrzunehmen müssen die Sinne und die Erwartungen trainiert werden. Und dazu haben wir weniger Zeit und Ruhe als früher. Quantität deckt die Qualität langsam zu. Dann wiederum kann man sich leichter Schönes verschaffen und sich drüber informieren, wenn man "Lust" dazu hat.

Ich wäre bestimmt stehen geblieben. Aber ich, klassisch ungebildete, hätte nicht erkannt, dass es etwas besonderes ist und wäre vermutlich -Termindruck- bald weiter gegangen.

Ein bisschen Schade.

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