Dienstag, 31. Juli 2012

Die unterschätzte Arbeit

Das Führen eines Haushalts, das Betreuen einer Familie - diese Tätigkeit hat noch nie besonders Lob hervorgerufen. Im Moment ist es aber so, dass Hausarbeit nicht nur wenig anerkannt wird, manchmal habe ich den Eindruck ihre Existenz wird quasi negiert. Wie ist es sonst zu erklären, dass so getan wird als sei es ein Kinderspiel, neben einer Vollzeittätigkeit auch noch einen Mehrpersonenhaushalt zu führen - so nebenbei....

Auch ich bin dieser Illusion am Beginn meiner "Karriere" aufgesessen.
Mit gerade 20 war ich noch im Fachhochschulstudium, frisch verheiratet und hatte ein Haus mit Garten um das ich mich kümmern musste. Wir mussten beide pendeln und waren zwischen 1 1/2 und 2 Stunden täglich unterwegs. Lernen musste ich auch noch und unser ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde sollte nicht zurückstehen. Das bisschen Haushalt, nur zwei Erwachsene - das sollte ja wohl so nebenbei zu schaffen sein.
War es aber nicht! Bzw: Geschafft haben wir es, aber nicht nebenbei - es war richtige Arbeit! Unsere Tage waren voll - auch ohne Kinder. Und ich merkte schnell, dass "Hauswirtschaft" nicht so einfach war wie ich gedacht hatte. Kurz bevor ich schwanger wurde war ich an dem Punkt, dass ich meine Stundenzahl im Büro bald reduziert hätte - einfach, um zuhause alles im Lot zu haben ohne völlig im Stress zu versinken.

Einen Haushalt mit mehreren Kindern zu führen ist noch eine ganz andere Hausnummer - von einer 40-Stunden-Woche kann man nur träumen....

Umso mehr ärgert es mich, dass ich diese ganze Hausarbeit eigentlich "nebenbei" machen soll - Arbeiten gehen, die Kinder in der Betreuung und eine Putzfrau bezahlen wäre natürlich auch eine gesellschaftlich akzeptable Variante. Einerseits höre ich immer wieder Kommentare wie: "Da hast du aber auch viel zu tun!" - andererseits wird mir unterstellt, dass ich es mir ja "schön mache" weil ich nicht im Büro sitze.
Nur die Arbeit, die mit Geld bezahlt wird, zählt.

Ich finde es sehr schade, dass das Führen eines Haushalts so wenig geschätzt wird - in jeder Beziehung. In den Medien werden nur die Extreme vermittelt: die piko-bello-Seifenoper-Wohnung oder die verlotterte Harz-4-ich-liege-lieber-den-ganzen-Tag-im-Bett Variante.
Die Realität bewegt sich dazwischen - und findet im Fernsehen nicht statt. Die Politiker sorgen mit der aktuellen Diskussion um das Betreuungsgeld ebenfalls dafür, dass Hausarbeit und auch Erziehungsarbeit noch weniger wertgeschätzt werden. Alleine ein Wort wie "Herdprämie" ist schon eine Beleidigung.

Ärgert euch sowas auch?

1 Kommentar:

Herr Bohne, Babymädchen und Sina hat gesagt…

Liebe Stephanie, das ist ein Post, der mir aus dem Herzen spricht. Mein Alltag vor Babymädchen sah auch ähnlich aus, wie der, den du beschreibst, teilweise 10 Stunden Büro, dann eine Stunde Fahrzeit und mal eben so nebenbei die Wohnung auf Hochglanz bringen, dass da irgendetwas auf der Strecke bleibt, das steht wohl außer Frage. Mein Babymädchen soll dies aber ganz sicher nicht und von daher bin ich momentan gerne eine "Nur"-Hausfrau, die es wagt, nicht ins Büro zu pendeln und die ihr Babymädchen ganz altmodisch selbt betreut :)

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