Dienstag, 31. Januar 2012

Nabelschnurblut spenden - Ja oder Nein?

Als ich zum ersten Mal schwanger war (2003/2004) waren gerade die ersten Nabelschnurblutbanken aufgetaucht und machten Werbung. Wir erkundigten uns ein wenig, aber es war direkt klar: Viel zu teuer und viel zu fragwürdig im Nutzen. In Großstädten gab es wohl schon damals teilweise das Angebot der Nabelschnurblutspende, aber hier auf dem platten Land nicht.

Das hat sich inzwischen geändert, auch unser Krankenhaus bietet jetzt die Nabelschnurblutspende über die DKMS an. Jetzt standen wir also vor der Entscheidung - Spenden oder nicht?

Eine private Einlagerung kommt für uns weiterhin nicht in Frage. Es ist nach wie vor viel zu teuer, der Nutzen ist fragwürdig (gerade bei Leukämie macht es nicht viel Sinn, ev. genetisch belastete Stammzellen zu verwenden) und die Werbepraktiken dieser Firmen sind z. T. so unseriös, dass ich mich darüber nur aufregen könnte, wie die Ängste von Eltern ausgenutzt werden.

Die Nabelschnurblutspende dagegen ist eine seriöse Sache. Es entstehen keine Kosten für einen selbst und man hat später im Ernstfall bevorzugten Zugriff auf die Nabelschnurblutbank. Das ist für die ganze Familie interessant, denn oft ist das Nabelschnurblut von Geschwistern sehr geeignet. Mehr Infos darüber bekommt ihr hier.

Aber die Lebenserfahrung lehrt, dass es immer auch Nachteile gibt.
Meine Hebamme antwortete mir auf meine Frage, dass für eine Nabelschnurblutspende sehr schnell abgenabelt werden müsse, was eigentlich den Grundsätzen der sanften Geburt widersprechen würde (wo die Nabelschnur auspulsieren soll).
Aber was heisst das jetzt konkret? Welche Nachteile hat es für mein Kind, wenn die Nabelschnur nicht auspulsiert?

An diese Informationen zu kommen war schon etwas schwieriger.
Bei Wickipedia ist nachzulesen, dass das frühzeitige Abklemmen der Nabelschnur zu einem Abfall der kindlichen Blutmenge führen kann.
In diesem Artikel des Focus wird zwar zunächst gesagt, dass die schnelle Abnabelung keine Nachteile für das Baby hat, dann aber geschrieben, dass diese Kinder in den ersten Lebensmonaten schlechtere Eisenwerte haben.

Soweit ich das bisher recherchieren konnte, gibt es kaum Internetseiten, die die Nachteile konkret aufzählen.
Klar ist, dass für die Spende die Abnabelung so schnell wie möglich erfolgen muss, damit nicht das ganze Blut in den Körper des Kindes wandert. Für mich heißt das, das dieses Blut dann eigentlich fehlt. Ich habe gelesen (leider weiß ich nicht mehr wo), dass das bis zu 200 ml Blut sein können. Eine Menge, für so ein kleines Baby. Und ein schlechterer Eisenwert ist nichts, was man verharmlosen sollte.

Besonders nachdenklich wurde ich, als ich in der "Hebammensprechstunde" von Ingeborg Stadelmann in dem Kapitel "Die ersten Lebensminuten" folgendes las:
"Interessant ist für mich zu beobachten, dass die Babies mit nachlassender Nabelschnurpulsation zunehmend rosiger werden. Spätestens beim Aufhören dieser Pulsation fangen fast alle Kinder kräftig zu schreien an. Vielleicht besteht weitaus mehr Zusammenhang zwischen Nabelschnuraktivität und Eigenatmung, als wir in der Geburtsmedizin annehmen."

Wir haben daher für uns beschlossen, keine Nabelschnurblutspende zu machen. Da unsere Kinder tendenziell eher ein paar Tage vor dem Termin geboren werden, klein und leicht sind und durchaus noch ein bis zwei Tage mit dem Halten der Körpertemperatur kämpfen, werden wir der kleinen Maus den Start ins Leben nicht noch weiter erschweren.
Sollte es aus irgendeinem Grund notwendig sein, die Nabelschnur direkt abzuklemmen, sähe das schon wieder anders aus.

Einfach finde ich diese Abwägung nicht, aber ich denke, dass zu wenig über eventuelle Nachteile gesprochen wird. Auch auf der Seite der DKMS-Nabelschnurblutbank werden keine möglichen Nachteile für das Kind genannt, es wird einfach behauptet, es gäbe keinerlei Risiko.
Oder wie seht ihr das?

Verlinkt bei:

1 Kommentar:

Alexandra hat gesagt…

Hallo Stephanie,
als mein kleinster 2001 zur Welt kam, war das einlagern noch unbezahlbar ! ich habe das immer sehr herzlos von den KK gehalten und nie verstanden, warum ´sowas nicht selbstverständlich ist, wenns so "einfach" ist gewaffnet für schlimme Krankheiten zu sein ???, eine spätere Suche nach passenden Stammzellen ist doch vieeeel teurer und aufwndiger, sorgenvoller als diese bisschen Nabelschnurblut aufzuheben !

Ich habe mei drittes Kind ratz fatz geboren, ohne Stress und da haben sie auch das Blut aus der Nabelschnur gezogen und sofort per Kurier an die Uni geschickt !!!!
zu Testzwecken, denn ich habe eine seltene Blutgruppe, da ist sowas gefragt !...vorher gefragt wurde ich nie !

LG Alexandra

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