Dienstag, 4. Oktober 2011

Meine Stillgeschichte

Es ist Weltstillwoche, und ich möchte meinen Teil dazu beitragen und euch meine Stillgeschichte erzählen.
Nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern um zu zeigen, dass Stillen eine Sache ist, um die es sich zu kämpfen lohnt:

Als ich feststellte, dass ich schwanger war, habe ich mir zunächst überhaupt keine Gedanken um die Frage "Stillen oder Flasche" gemacht. Als ein paar Wochen später eine Freundin schwanger wurde konfrontierte sie mich am Telefon aber direkt mit der Frage: "Willst du stillen? Also ich mache das auf jeden Fall, mein Mann hat ja Asthma, da ist das das Beste für das Kind!"
Ich fühlte mich überfahren, denn abgesehen davon, dass ich mich noch nicht wirklich mit dieser Frage auseinander gesetzt hatte, hatte ich von niemandem irgendetwas Positives über das Stillen gehört, geschweige denn, irgendwelche Vorbilder. Meine Schwester hatte ihrer Tochter sofort die Flasche gegeben, meine Schwägerin stillte gerade ihre Zwillinge und war sichtlich am Ende ihrer Kraft. Alle jungen Mütter in meinem Bekanntenkreis hatten nicht versucht zu stillen, oder berichteten von massiven Problemen, die sich erst lösten als das arme Kind endlich die Flasche bekam.
(Heute sehe ich es als Ironie des Schicksals, dass genau diese Freundin keines ihrer beiden Kinder versucht hat zu stillen und die Schwangerschaften durch weiter geraucht hat- trotz hohem Asthmarisiko!)

Ich begann mich mit dem Thema auseinander zu setzen: Alle Ratgeber empfahlen das Stillen und zählten viele Vorteile auf. Für das Kind schien es ja besser zu sein, aber es hörte sich so schwierig und kompliziert an! Naja, versuchen könnte ich es ja mal. Und wenn es nicht klappen sollte, würde ich halt die Flasche geben, ist ja auch nicht schlimm.

Die Wochen vergingen und der Geburtsvorbereitungskurs ging los. Wir hatten für einen Paarkurs an zwei Wochenenden entschieden: Gott sei Dank! (und das meine ich nicht als Floskel!)

Dort trafen wir nicht nur auf eine sehr kompetente Hebamme, sondern auch ein Paar, das schon zwei Kinder hatte, und beide waren lange gestillt worden. Dort erzählte mir tatsächlich jemand, dass Stillen nicht nur gar nicht so schwer, sondern sogar etwas schönes sei! Endlich!
Wir verstanden uns auf Anhieb gut - vergaßen am Ende des Kurses aber, Adressen und Telefonnummern auszutauschen.

Ich las jetzt "Das Stillbuch" von Hannah Lothrop (sehr zu empfehlen) und war dann überzeugt: Ich wollte mein Kind stillen



Dann war sie da: Meine süße kleine Maus!
Noch im Kreissaal ließ sie sich anlegen - aber auf diese Schmerzen war ich nicht vorbereitet! Nicht nur die Brustwarze tat entsetzlich weh - ich litt auch bei jedem Stillen unter fürchterlichen Nachwehen! (So schlimm hatte ich die nie wieder!)

Ich quälte mich und wir quälten uns. Ich fand keine bequeme Stillposition, die kleine Maus schlief ständig ein und nahm nicht genug zu, ich litt weiter unter wunden Brustwarzen und Nachwehen.
Dann konnte ich nicht mehr, und bat noch im Krankenhaus um Stillhütchen. Ich wusste, dass Stillen auf Dauer damit schwierig sein würde - aber ich wusste keinen Ausweg mehr.
Danach wurden die Schmerzen erträglich, die Wunden heilten und die Nachwehen ließen auch allmählich nach. Ich blieb fünf Tage im Krankenhaus, einfach weil ich beim Stillen so unsicher und verzweifelt war. Zum Glück hatte ich meine Hebamme, die weiter zu uns nach Hause kam.

Wir machten weiter, aber es war eine harte Zeit: Sophia litt unter einer Hüftdiysplasie und bekam mit einer Woche eine Gipshose, mit vier Wochen dann eine Tübinger Schiene. Sie schrie viel und fühlte sich unwohl, ich trug sie viel. Sie nahm nicht genug zu und ich pumpte zusätzlich Milch ab. Ich stillte weiter mit Stillhütchen und es klappte ganz gut.

Als Sophia ungefähr vier Wochen alt war, passierte etwas Tolles! Ganz zufällig trafen wir das Paar aus dem Geburtsvorbereitungskurs wieder! Ihre kleine Tochter war ungefähr zwei Wochen älter als unsere Maus. Wir tauschten direkt Adressen und Telefonnummer und blieben von da an in Kontakt. Endlich hatte ich jemanden, mit dem wirklich übers Stillen reden konnte, jemand der mich nicht für verrückt hielt und mich ermutigte, weiterzumachen.

Wie wichtig es mir geworden war zu Stillen, merkte ich bei der U 3. Meine Kinderärztin erklärte mir unverblümt das Kind hätte zuwenig zugenommen und ich müsste zufüttern! Zuerst war ich am Boden zerstört: Nach all der Mühe und dem Kämpfen sollte alles umsonst gewesen sein? Die Hebamme hatte doch festgestellt, dass Sophia gut zunahm und ihr Defizit der ersten Wochen fast aufgeholt hatte.
Dann kamen die Wut und der Kampfgeist: Ich ging in die Apotheke, lieh mir eine Waage und wog meine Maus: mindestens einmal am Tag und zunächst auch täglich mindestens einmal als Stillprobe.
Ich besprach die Ergebnisse mit meiner Hebamme und wir stellten fest, dass Sophia wirklich genug trank und gut zunahm. Bei der Nachuntersuchung zwei Wochen später konnte ich anhand der Aufzeichnungen auch die Kinderärztin überzeugen.

Jetzt war die schlimmste Zeit geschafft: Das Stillen hatte sich eingependelt. Meine Kleine war zwar ein Genießer und schlief immer noch gerne beim Trinken ein, aber wir machten es uns gemütlich, ich hatte immer ein Buch griffbereit oder eine nette DVD parat (oder ich telefonierte auch mal, sobald das Mäuschen die Augen zumachte und verträumt weitertrank). Bevor ich zur zweiten Brust wechselte wurde gewickelt und geweckt und so klappte es eigentlich gut. Schon bald war ich mutig genug es ohne Stillhütchen zu probieren: Es klappte! Abgepumpte Milch aus der Flasche verweigerte Sophia aber bald - kein Problem, brauchten wir nicht mehr!

Nach einem halben Jahr habe ich mit dem Zufüttern begonnen. Es dauerte einen Monat, bis meine Kleine das Prinzip begriffen hatte, danach konnte ich wie im Lehrbuch eine Breimahlzeit nach der anderen einführen. Bis heute ist sie eine problemlose Esserin und isst und probiert fast alles!

Ich hatte mir erst einmal keine großartigen Gedanken gemacht, wie es nach der Beikosteinführung mit dem Stillen weitergehen sollte - aber ich sah absolut keinen Sinn darin, jetzt abzustillen.
Und so machte ich weiter. Zu ihrem ersten Geburtstag stillte Sophia noch morgens und abends, bald nur noch morgens.
Als ich wieder schwanger war, stillte ich nach einer Weile ab. Ohne Theater, ohne Probleme, für Sophia war es völlig ok!

Dann wurde Justus geboren - das perfekte Stillkind! Kaum auf der Welt fing er an zu schmatzen, dockte an - und konnte es!
Um keine Eifersucht aufkommen zu lassen, durfte Sophia auch mal mitstillen. Ich habe tatsächlich Tandemgestillt - was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.
Aber sobald der Großen klar war, dass sie theoretisch auch durfte, war die ganze Sache nicht mehr so interessant und sie hat lieber ihre Puppen gestillt!

Justus hat länger gestillt -auch nachts hat es lange gedauert, bis er nicht mehr alle zwei bis drei Stunden wach wurde. Aber auch das ging vorbei und mit (ich glaube...) 2 1/2 Jahren war auch das Einschlafstillen vorbei.

Als ich zum dritten Mal schwanger war habe ich während der Schwangerschaft nicht gestillt und auch Tandemstillen war kein Thema. Gott sei Dank - denn Leona stellte sich wieder ganz schön an: Ein bisschen träge, ein bisschen zu faul - ganz ehrlich, wahrscheinlich hätte ich sie erstmal mit der Flasche glücklich gemacht! Aber nach kurzer Zeit waren diese Probleme auch vorbei und auch diese Stillzeit lief ziemlich problemlos. Hier und da ein Milchstau - aber nichts, was mir anhaltend in schlechter Erinnerung geblieben wäre. Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden waren, war es eine wunderschöne Stillzeit!

So schwer sich unsere Jüngste mit dem Stillen zunächst getan hat, so schwer tut sie sich mit dem Abstillen. Es gibt doch nichts Schöneres....
Wir haben, seitdem ich wieder schwanger bin, die Stillmahlzeiten erheblich reduziert - aber ganz ohne geht es noch nicht. Ich stelle mich innerlich auch schonmal wieder aufs Tandemstillen ein. Aber das ist auch in Ordnung, da finden unseren Weg schon.

Mein Fazit:
Das Kämpfen hat sich gelohnt. Stillen ist nicht nur Friede, Freude Eierkuchen, aber es ist toll! Abgesehen von den ganzen praktischen und gesundheitlichen Vorteilen, ist es eine wunderschöne, enge Beziehung zum Kind. Ich würde es jederzeit wieder so machen!
Ich weiß, dass es Mütter gibt, die Stillen wollen und nicht können. Genauso, wie es Mütter gibt, die sehr gute Gründe haben, ihren Kindern die Flasche zu geben.
Aber ich glaube auch, dass Stillen das Beste für Mutter und Kind ist. Lasst euch nicht entmutigen!

1 Kommentar:

Verena hat gesagt…

Wie süß! Dein Sohn erinnert mich total an meine Mittlere! Sie war gerade geboren und schmatzte schon, bevor ich sie überhaupt anlegen konnte! ;) Ich hatte mit dem Stillen anfangs auch so meine Probleme. Wollte aber unbedingt stillen, denn mein Mann hat Neuridermitis und überhaupt alle Allergien,die man sich vorstellen kann. Meine beiden ersten Kinder brauchten beim trinken immer 1 Stunde. Aber bei meiner jüngsten Tochter klappte alles so super. Und ich glaube, ich war auch etwas entspannter. ;)
Ich war etwas erschrocken, als ich las, dass Deine Freundin während der Schwangerschaft geraucht hatte. Wie furchtbar! Das arme Kind!
Vielen Dank, dass Du Deine Geschichte erzählt hast!
Liebe Grüße,
Verena

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